Ursachen und Symptome einer instabilen Halswirbelsäule

Symptome

Die Auswirkungen HWS-Instabilitäten auf die Gesundheit sind nach Kuklinski gravierend. Sie äußern sich zunächst als chronisch-funktionelle Störungen und können unbehandelt in manifeste Multiorganerkrankungen übergehen. Die im Vordergrund stehenden Erkrankungen variieren dabei je nach individuellen Lebensbedingungen und genetischen Besonderheiten.

Bei Verletzungen der unteren HWS überwiegen Symptome der Schultern und Arme. Einwirkungen auf die obere HWS bzw. den KZÜ haben vielfältigere Folgen und sind besonders tückisch im Bereich des Atlas. Kuklinski konnte seine These in den letzten Jahren mit ersten klinischen Ergebnissen belegen. Liegen ausschließlich Verletzungen von Weichteilen, Bändern oder Kapseln vor, können die Beschwerden nach Volle zeitverzögert einsetzen.

Folgende Auswirkungen von Instabilitäten im Bereich der oberen HWS werden von Kuklinski und Volle beschrieben:

Beeinträchtigungen der Durchblutung (Ischämien) des Kopfes – bis hin zu zeitweiliger Bewusstlosigkeit durch Ein- oder Abklemmen der versorgenden Arterien -, die zu oxidativem Stress durch Freisetzung von Sauerstoffradikalen und zu echten Hirnschäden führen können.

Bei gedehnten oder angerissenen Flügelbändern Druck des «tanzenden Dens» auf die angrenzenden Nerven des Rückenmarkkanals und Blutgefäße. Ein Modellversuch (Crisco 1991) zeigte unphysiologische Bewegungsabläufe schon bei Verletzung eines der beiden Flügelbänder, wissenschaftlich unstrittig ist nach Volle, dass ein funktioneller Rückenmarkkontakt der Densspitze bei gleichzeitigem Eintreten von Symptomen (z.B. Unwohlsein mit Brechreiz, direkt auslösbare Atembeschwerden) pathologisch ist.

Reizungen von Hirnnerven. Gut untersucht ist nach Kuklinski die Aktivierung des Trigeminusnervs durch Stress, Xenobiotika und physikalische Reize, z.B. durch Zugluft, aber auch durch Atlasverkantungen. Die den Nerv begleitenden C-Nervenfasern schütten Entzündungspeptide (Peptide sind Eiweißverbindungen aus zu Ketten verknüpften Aminosäuren) aus, die zur Stickoxid-Freisetzung und zur Ausschüttung von Histamin führen.

Histamin wiederum stimuliert die Stickoxid-Bildung. Es kommt zu nitrosativem Stress und – sofern dieser chronisch wird – nach Kuklinski zu Störungen in der mitochondrialen Energiegewinnung. Es kann angenommen werden, dass diese Mechanismen auch bei Reizungen an den anderen Hirnnerven ablaufen.

«Sympathikusstress»(gem. Dr. Kuklinski), bedeutet erhöhten Sympathikustonus bzw. chronische Überaktivität durch Reizungen des Sympatikus. Dieser wird von Kuklinski bei HWS-Patienten häufig festgestellt und als besonders gefährlich eingeschätzt. Mögliche Folgen sind Durchblutungsminderungen des Hirns von bis zu -80% und die Öffnung oder Schädigung der Bluthirnschranke.

Erhebliche Irritationen der Propriozeptoren, die bewegungs-, lage-, erschütterungs- und stauchungsabhängig zu Fehlinformationen, z.B. über die Kopfposition, an Rückenmark und Gehirn führen und so ein Informationsdefizit oder -chaos auslösen.

Konzentrationsstörungen insbesondere bei der visuellen Wahrnehmung und «Fehlerkennung» mit «falscher Datenspeicherung» (Volle)

Die auftretenden Symptome sind, den Funktionen der vernetzten Hirnnerven entsprechend, vielfältig:

  • Kopfschmerzen,
  • Migräne,
  • Nackenverspannungen und Nackenschmerzen
  • Seh-, Hör-, Schluckstörungen
  • Schwindel,
  • Gleichgewichtsstörungen,
  • «Rüttelempfindlichkeit» (z.B. beim Fahrradfahren auf Kopfsteinpflaster)
  • Verlust von Intelligenz- und Integrationsleistungen,
  • Störungen des Kurzzeitgedächtnisses,
  • Schwierigkeiten beim Kalkulieren von Abständen

Aufgrund der Vernetzung mit Nervus Vagus und Sympathicus vegetative Symptome mit erheblichen Konsequenzen für die weitere Gesundheit, die letztlich alle Organsysteme betreffen; neben akuten Stressreaktionen wie Herzrasen, Sodbrennen und Bluthochdruck stehen hier die Symptome und Folgen des Neurostresses im Vordergrund.

Ursachen

HWS-Instabilitäten werden häufig durch Gewalteinwirkungen auf die HWS verursacht.

Dabei spielen nicht nur Einwirkungen auf den Kopf eine Rolle, sondern auch auf Gesäß, Rücken, Schultern, Arme und Kniegelenke, denn diese setzen sich auf die Wirbelsäule fort.

Eine Schwachstelle ist dabei die HWS mit dem Genick, insbesondere bei bereits vorliegenden Schädigungen. Trotz noch elastischer HWS-Strukturen sind Kleinkinder mit ihrem relativ zum Körper großen und schweren Kopf bei gleichzeitig noch schwach entwickelter HWS-Muskulatur besonders gefährdet, z.B. durch Stürze mit Kopflandung und Schütteln.

Kritisch sind insbesondere Gewalteinwirkungen die unerwartet eintreten und auf eine entspannte HWS-Muskulatur treffen, zum Beispiel bei:

  • plötzlichen SchIägen oder Stürzen bei rotiertem Kopf – typisches Beispiel sind Auffahrunfälle an Straßenkreuzungen; das Flügelband ist hier an der entgegengesetzten Körperseite maximal gespannt und der Nackenmuskulatur bleibt keine Zeit, die Schleuderbewegung des Kopfes abzufangen (dabei können vor allem die dünneren Facettengelenke zwischen den Wirbelkörpern geschädigt werden)
  • bei zur Seite geneigtem Kopf und gleichzeitiger Rotation (führt zu Schädigungen vorwiegend im C2/C3-Gelenk)

Da Gelenkkapseln und Sehnen sich nach straken „Dehnungen“ nicht wieder zusammenziehen können, können auch diese (wie andere Verletzungen) eine gewisse Instabilität der HWS verursachen. Narbige Veränderungen von Bändern, Kapseln und Knochenhautansatzstellen (Periostinsertionen) nach Verletzungen des KZÜs können zu einem Funktionsverlust und dadurch zu einer Rückenmarkkompression führen.